Entsiegelung und Begrünung kommunaler Flächen fördern
- Stand:
- November 2025
- Erstellt:
- Mai 2026
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Nutzen & Mehrwert
- Klimaanpassung: Reduzierung von Hitzeinseln, kühlere Quartiere und bessere Aufenthaltsqualität im Sommer.
- Wasserhaushalt: Bessere Versickerung, Entlastung der Kanalisation, Beitrag zu Grundwasserneubildung und Starkregenvorsorge.
- Ökologie: Wiederherstellung von Bodenfunktionen, mehr Lebensräume für Pflanzen und Tiere, höhere Biodiversität.
- Stadtbild und soziale Qualität: Aufgewertete Schulhöfe, Plätze und Straßenräume als attraktive Aufenthalts‑ und Begegnungsorte, bessere Spiel‑ und Lernumgebungen für Kinder.
- Gesundheit: Mehr Grün und geringere Hitzebelastung unterstützen Wohlbefinden, Erholung und Aufenthaltsdauer im Freien.
- Ökonomie: Potenzielle Senkung von Entwässerungsgebühren, geringere Folgekosten durch Überflutungsschäden und Imagegewinn als klimaresiliente, lebenswerte Kommune.
Erfolgsfaktoren
Typische Erfolgsfaktoren
- Klare Strategie und Priorisierung: Entsiegelung ist in Klimaanpassungs‑, Freiraum‑ oder Entsiegelungskonzepten verankert, mit klaren Zielen, Kriterien und einem Potenzialkataster.
- Feste Ansprechstelle und gutes Ämter‑Zusammenspiel: Es gibt eine koordinierende Stelle (Klimaanpassung/Planung/Umwelt), die Tiefbau, Grünflächen, Liegenschaften, Schule usw. zusammenbringt und Prozesse standardisiert.
- Partizipation und Kommunikation: Nutzer*innen und Öffentlichkeit (z.B. Schulen, Anwohnerschaft) werden früh einbezogen; Beteiligung erhöht Akzeptanz bei Wegfall von Stellplätzen und veränderten Nutzungen.
- Saubere fachliche Planung: Bodenkundliche Untersuchung, realistische Funktionsziele (Kühlung, Versickerung, Nutzung) und abgestimmte technische Lösungen (Beläge, Rigolen, Pflanzenwahl) reduzieren Fehlplanungen.
- Nutzung von Förder‑ und Kompensationsinstrumenten: Kombination aus Förderprogrammen (z.B. Natürlicher Klimaschutz, Landesprogramme) und Ökopunkten/Kompensation sichert Finanzierung und Verstetigung.
Mögliche Stolpersteine:
- Fehlende Zuständigkeiten und Ressourcen: Unklare Verantwortlichkeiten, wenig Personal und fehlende Datenbasis verzögern Projekte oder verhindern eine systematische Umsetzung.
- Nutzungskonflikte und Akzeptanzprobleme: Widerstand gegen Wegfall von Parkplätzen, Befürchtungen zu Sauberkeit oder „Unordnung“ bei naturnahen Flächen und konkurrierende Nutzungsansprüche bremsen Vorhaben.
- Unzureichende fachliche Qualität: „Nur Belag abfräsen“ ohne Bodensanierung, falsche Substrate oder unpassende Bepflanzung führen zu Staunässe, Absterben von Pflanzen und Enttäuschung über die Wirkung.
- Zersplitterte Finanzierung: Kurzfristige Projektlogik ohne Verstetigung, komplizierte Förderkulissen oder fehlende Kopplung an Kompensationsinstrumente begrenzen Umfang und Kontinuität.
- Rechtliche und eigentumsbezogene Hürden: Viele Potenzialflächen liegen in Privateigentum oder haben komplexe Rechtsverhältnisse; fehlende Anreize oder unklare Regelungen erschweren die Umsetzung in Bestandsquartieren.
Ausprägungsformen
Tiefe der Entsiegelung
- Vollentsiegelung: komplettes Entfernen von Belag und Tragschichten, Rekultivierung des Bodens und Anlage von Grünflächen (z. B. Rasen, Stauden, Bäume).
- Teilentsiegelung / Belagsänderung: Umwandlung vollversiegelter in teilversiegelte Flächen, z.B. durch wasserdurchlässiges Pflaster, Rasengitter, Fugenpflaster, Grüninseln.
- Funktionale Entsiegelung: Entkopplung von der Kanalisation und Regenwassermanagement ohne vollständige Belagsänderung, z.B. über Baumrigolen, Muldenversickerung oder Dach‑/Fassadenbegrünung.
Art der Begrünung und Gestaltung
- Bodengebundene Begrünung: Wiesen‑ und Rasenflächen, Staudenbeete, Hecken, Bäume, Grüninseln im Straßenraum oder auf Parkplätzen.
- Gebäudebezogene Begrünung: Dach‑ und Fassadenbegrünung, oft kombiniert mit (Teil‑)Entsiegelung von Höfen und Zugangsbereichen.
- Blau‑grüne Lösungen: Versickerungsmulden, Baumrigolen, Rinnen, Retentionsflächen, die Entsiegelung mit Regenwasserrückhalt verbinden.
Räumliche und strategische Ebenen
- Objektbezogene Projekte: Einzelmaßnahmen an Schulhöfen, Plätzen, Parkplätzen, Innenhöfen oder Straßenabschnitten.
- Quartiers‑ und Innenstadtprojekte: Entsiegelungs‑ und Begrünungskonzepte für ganze Quartiere oder Zentren, inkl. Umgestaltung von Straßenräumen und Plätzen.
- Programme und Förderlinien: Kommunale Entsiegelungs‑ oder Hofbegrünungsprogramme für Private und Gewerbe (Zuschüsse pro m², Beratungsangebote).
Investitionstreiber
- Art und Umfang der Maßnahmen: z.B. reine Entsiegelung vs. aufwändig gestalteter Schulhof/Pocketpark mit Spielgeräten, Möblierung und Regenwasserelementen; Größe der Fläche in m².
- Geologische und bauliche Rahmenbedingungen: Bodenaufbau und Versickerungsfähigkeit, Altlasten, notwendige Tiefbauarbeiten, Leitungen im Untergrund, Zugänglichkeit der Fläche.
- Gestaltungs‑ und Ausstattungsniveau: Anzahl und Größe der Bäume, Qualität der Beläge, Möblierung, Beleuchtung, Spiel‑ und Sportelemente, künstlerische Gestaltung.
- Planungs‑ und Beteiligungsaufwand: Tiefe der Voruntersuchungen, externe Fachgutachten, Anzahl der Beteiligungsformate mit Schulen, Anwohnenden, Politik.
- Umfang der Öffentlichkeitsarbeit und Begleitung: Kommunikation, Beteiligungsprozesse, Bildungsangebote, Dokumentation, Monitoring und Evaluation der Maßnahme.
Quellen
- Entsiegelung in der Klimaanpassung – Leitfaden Teil A: Hintergründe, Vorgehensweisen, bodenschutzfachliche Hinweise, Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen, 2025
- Zusammenfassung der Ergebnisse des Vorhabens „Bessere Nutzung von Entsiegelungspotenzialen zur Wiederherstellung von Bodenfunktionen und zur Klimaanpassung“, Umweltbundesamt, 2022
- Wie funktioniert Entsiegelung in urbanen Räumen?, ABES S. à r. l., abgerufen am 26.11.2025
- Bewertungsverfahren und Maßnahmenbeispiele, LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, 2021, abgerufen am 25.11.2025
- Kompensationsmaßnahmen / Ökopunkte, Staatsbetrieb Sachsenforst, abgerufen am 25.11.2025
- Maßnahmensteckbrief Boden, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, 2022
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